„Jetzt ist schon wieder was passiert“

An Tag drei zeigt NORA GOMRINGER was Literatur kann – ganz speziell: die Waffe Lyrik –, ROSA POCK, PETER AHORNER, WOLFGANG VINCENZ WIZLSPERGER und HANNES LÖSCHEL geben jeweils verschiedene Varianten des spielerischen Umgangs mit der Sprache zum Bestes und WOLF HAAS rundet den Abend mit einem besonderen Programm ab.

Christa Gürtler und Wolf Haas (Foto: Erika Mayer)

Den fulminanten Start des dritten Festivaltags macht NORA GOMRINGER mit einer Lesung aus ihrer Lyrik-Trilogie („Moden“, „Morbus“ und „Monster“) im ZERUM Shop Salzburg. Sie spannt den Bogen von leichter Gebrauchslyrik, die Kliniken von Frauenärzten ziert, über humorvolle, imaginierte Inschriften an Häuserfassaden bis hin zu poetisch kraftvoll verarbeiteten und teilweise sehr persönlichen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. Gomringer öffnet sich, lässt das Publikum teilhaben, indem sie vor jedem gelesenen Gedicht die von Reimar Limmer dazu angefertigte Collage und die Hintergründe des Textes erklärt. Der gemeinsame Nenner der für das Fest getroffenen Auswahl ist die kürzlich erschienene vietnamesische Übersetzung des jüngsten Bandes „Moden“ – der Zensur sind sechs Gedichte zum Opfer gefallen.

Die Autoren ROSA POCK und PETER AHORNER gestalten den Nachmittag im arthotel blaue gans gemeinsam mit den Musikern WOLFGANG VINCENZ WIZLSPERGER und HANNES LÖSCHEL. Ihr Programm trägt den Titel von Rosa Pocks Lyrikband „die hundekette – mein eigenes revier“. Rosa Pocks Miniaturen entheben sich der Sprachnorm, enthält der Satzstruktur die geforderten Wortarten vor, während Peter Ahorner mit Dialektpoesie beschwingt und Wolfgang Vincenz Wizlsperger und Hannes Löschel mit der musikalischen Umsetzung von u.a. Ahorners melancholisch-satirischen Texten in der Tradition des Wienerlieds den Saal beleben.

Den dritten Festtag beendet WOLF HAAS mit seinem Auftritt in der Szene Salzburg, wo er das eigens für das Literaturfest Salzburg zusammengestellte Programm „Jetzt ist schon wieder was passiert“ präsentiert.  Dabei liest er Passagen quer durch sein Werk, erheitert das Publikum mit amüsanten Anekdoten und bringt auch neues ein: Neben der deutschen Übersetzung der auf Chinesisch im Buch „Verteidigung der Missionarsstellung“ enthaltenen Passage – eine vom Autor tatsächlich erlebte Geschichte, die sich dem Gesamtkontext des Romans enthebt – liest er einen Leserbrief vor, der ihn auf eine Unrichtigkeit in der Herkunftsgeschichte vom Brenner aufmerksam machen möchte. Wie auch in seinen Büchern wendet der Autor das österreichische Idiom als eine Strategie zur treffsicheren Umsetzung der parodistischen Pointen auch auf der Bühne gekonnt an und zeigt, wie wirkungsmächtig und vielfältig Sprache einsetzbar ist.