Unvergesslicher Festabend

Die gestrige Eröffnung des fünftägigen Festivals mit Gerhard Rühm, Monika Lichtenfeld, Ariane von Graffenried und Tomer Gardi – ein nicht nur sehr erfolgreicher, sondern auch unvergesslicher Festabend!

Tomer Gardi, Ariane von Graffenried, Monika Lichtenfeld, Gerhard Rühm und Christa Gürtler. Foto: Erika Mayer

Gestern Abend, am 22. Mai 2019, wurde das fünftägige Literaturfest feierlich eröffnet. Nach einer Begrüßung durch Elisabeth Gutjahr (Rektorin der Universität Salzburg) und Christa Gürtler (Mitbegründerin des Literaturfestes und Programmorganisatorin) thematisieren Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, Gemeinderätin Julia Soldo (in Vertretung für Bürgermeister Harald Preuner) und Landtagsabgeordneter Simon Heilig-Hofbauer den Nutzen und die Wichtigkeit von Literatur, besonders in politisch brisanten Zeiten, und eines Europas der Vielfalt.

„Eingeladen sind in diesem Jahr AutorInnen, die ihren Fokus auf die Sprache richten, weniger auf das Erzählen und Erfinden von Geschichten. Sie setzen sich künstlerisch und spielerisch mit Sprache auseinander, widersetzen sich den Phrasen und der Mode. Dazu macht die politische Situation in Österreich, aber auch in Europa oder, Stichwort ‚Donald Trump‘, in den USA die Beschäftigung mit der Sprache zu einer notwendigen und wichtigen künstlerischen Aufgabe. Sprache schafft Wirklichkeit, produziert Wirklichkeit. Die politische Sprache der Rechtspopulisten ist heute mit großer Energie dabei, unser Denken zu verändern. Gerade in Zeiten wie diesen können uns SchriftstellerInnen gegen Sprachmanipulationen misstrauisch machen.“, führt Christa Gürtler zum diesjährigen Motto „Etwas mit der Sprache machen“ aus.

TOMER GARDI eröffnet mit einer gleichsam humorvoll-verspielten wie auch ernsthaften Darbietung eines Ausschnitts aus seinem ersten, preisgekrönten Roman „Broken German“ den Lesereigen – in gebrochenem Deutsch. Er wirft die Frage in den Raum „Was ist ‚Deutsch‘“, thematisiert die Sprachenvielfalt, vor allem innerhalb der Deutschen Sprache, und übt Kritik an einem konventionellen, straffen Sprachverständnis.

Bei der Schweizer Spoken-Word-Künstlerin ARIANE VON GRAFFENRIED wird das spoken word zur spoken world. Mit einer Auswahl aus ihrer Sprechtextsammlung lädt sie das Publikum zu einer „grand tour“ ein und begeistert durch ihre spielerisch-provokante Performance, ausgehend vom Bosporus über ganz Europa bis nach Charlottesville in den USA. Sie springt zwischen gleich mehreren Sprachen hin und her, jongliert Wörter und Klänge, überwindet Sprachgrenzen und hinterlässt neben großem Staunen und Begeisterung auch (babylonische) Sprachverwirrung.

GERHARD RÜHM knüpft mit einer Auswahl an gereimter Kurzprosa an das Sprachspiel ausdrucksstark an. Er dekonstruiert die Sprache, um sie stimmungsvoll wieder neu zusammenzusetzen und Ausdrücken eine neue Laugestalt anzulegen. Gemeinsam mit seiner Frau MONIKA LICHTENFELD stimmt er in zwei Sprechduetten einen lustvollen-rhythmischen Sprechgesang an.

Den krönenden Abschluss bilden mehrere Chansons aus den literarischen Auftritten der legendären Wiener Gruppe von 1958/59, die Rühm am Klavier zum Besten gibt. Bei Wein und Brot fand der überaus erfolgreiche Abend bei vollem Haus, an welchem dem Publikum zahlreiche Lacher, Jubelrufe und tosender Applaus entlockt wurde, einen beschwingten Abschluss.