Das war das Literaturfest 2017

Mit der lyrischen Matinee am Sonntag und Beiträgen von Nico Bleutge, Maren Kames, Roberta Dapunt und musikalischer Begleitung von Maria Loos endete das 10. Literaturfest, das unter dem Motto „Schöne Aussichten“  stand. Mit etwas über 2000 BesucherInnen, 22 Veranstaltungen und über 40 AutorInnen, GesprächspartnerInnen und MusikerInnen wurde es ein besonderes Kaleidoskop der Szene. Die KuratorInnen Jochen Jung, Christa Gürtler und Klaus Seufer-Wasserthal ziehen im Jubiläumsjahr eine positive Bilanz und wollen auch in Zukunft die Begegnung mit Literatur in Salzburg möglich machen. Jochen Jung verabschiedet sich nach zehn Jahren als aktiver Organisator, will dem Literaturfest aber treu bleiben.

Bereits bei der Eröffnung des Fests in der Großen Universitätsaula waren sich die Festredner einig, dass ein Leben ohne Literatur sinnlos ist. Mit dem Spoken-Word Poeten Guy Krneta, der Romanautorin Sabine Gruber, der Satirikerin Kirsten Fuchs sowie dem Philosophen Franz Schuh zeigten vier fantastische KünstlerInnen, wie abwechslungsreich Literatur sein kann.  

    

Traditionell wurde der zweite Tag des Festivals mit Lesungen für Kinder begonnen: Ute Krause begeisterte gleich zweimal mehrere Schulklassen mit ihren Geschichten und Illustrationen. Auf zwei ganz unterschiedliche Reisen wurden die ZuhörerInnen zur Mittagszeit mit Elfriede Kern und Anna Weidenholzer im upcycling atelier mitgenommen. In der Panoramabar der Stadt:Bibliothek sprach am Nachmittag Bernhard Flieher von den Salzburger Nachrichten mit dem Musiker und Autor Markus Binder über dessen Hybridroman „Teilzeitrevue“. Aus kostbaren Fundstücken haben Susanna Ridler, Wolfgang Puschnig und Peter Herbert  am Freitagabend im Jazzit für das Literaturfest eine besondere Performance erschaffen: Bisher unveröffentlichte Textfragmente von Gert Jonke übersetzten sie in ihrem improvisierten Trialog in ihre eigene musikalische Sprache.

 

Der Freitag startete mit einer Lesung für Kinder von Julya Rabinowich im Literaturhaus. Sie begeisterte die jungen ZuhörerInnen mit ihrem ersten Jugendbuch „Dazwischen: Ich“. Einen düsteren Ausblick in eine unbestimmte Zukunft zeigte Cordula Simon in Ihrem Roman „Wie man schlafen soll“  und im anschließenden Gespräch mit Elmar Schüll und Stefan Wally in der Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen. Am Nachmittag präsentierten mit Alina Herbing und Luise Maier zwei junge AutorInnen ihre Debütromane in der Blauen Gans. Studierende des Thomas Bernhard Institutes gingen mit einer herausragenden Premiere im Furtwänglerpark auf die Suche nach der idealen Gesellschaftsordnung, die bereits im 16. Jahrhundert von Thomas Morus entworfen wurde, bis heute aber aktuell ist. Der Freitagabend startete mit einer spannenden Auseinandersetzung mit dem Thema „Schöne Aussichten“ in den Kavernen1595. Günter Kaindlstorfer führte das Gespräch mit Emma Braslavsky, Kai Hirdt, Joshua Groß und Lucian Hölscher, die sich mit ihren ganz eigenen Herangehensweisen Gedanken über die Zukunft machen. Zum Finale des Abends las Arnold Stadler aus seinem Roman „Rauschzeit“, der mit wunderschön melancholischen Melodien von der Band Get Well Soon (Konstantin Gropper, Verena Gropper und Marcus Wüst) begleitet wurde.

 

Der Samstag begann mit dem Blick in eine Welt, in der Bücher nur mehr als Produkte gelten und der Inhalt irrelevant wird. Noëlle Revaz stellte ihren Roman „Das unendliche Buch“, das als große Satire auf die Medienwelt, aber auch als ein Buch über Identität gesehen werden kann, in der Rupertus Buchhandlung vor. 

Am Mittag erzählte Birgit Müller-Wieland in der Galerie im Traklhaus eine vielschichtige Familiengeschichte über Generationen hinweg. Ihr Roman „Flugschnee“ spannt den Bogen von der Gegenwart bis zurück zur Zeit der Nationalsozialisten und enthüllt dabei lang verschwiegene Familiengeheimnisse. Elke Laznias „dichtungen“ ihres Bandes „salzgehalt“, die als eine Art lyrische Prosa beschrieben werden können, handeln hingegen von einer Figur, die in ihrem eigenen Käfig gefangen ist. Einen wunderbaren Zweiklang bekommen die Texte durch die Zeichnungen von Ludwig Hartinger.

Eine wilde Mischung aus Text und Musik stellten die Original Linzer WorteDominika Meindl, Klaus Buttinger und René Bauer in der academy café-Bar unter dem Titel „Vom Nebel der Stahlstadt in eine bessere Zukunft“ vor. In ihren urkomischen Stücken, die vor schwarzem Humor nur so strotzen, beschäftigt sich das Satirekombinat mit dem Burkaverbot ebenso wie mit dem Scheitern eines Beamten.  

Auf ein Glas mit den AutorInnen, die in den vergangenen zehn Jahren mit Zitaten die Schaufenster der Stadt geschmückt haben, hat Dorit Ehlers am Nachmittag in die Bristol Bar eingeladen. In der Text-Performance las sie Reisetexte von Bodo Hell bis Walter Kappacher und ließ ihre fiktiven Gäste inmitten der vollbesetzten Bristol Bar Platz nehmen.

Walter Kappacher, dessen Zitate in diesem Jahr an den Schaufenstern der Stadt zu lesen sind, begeisterte am Samstagabend im republic mit unveröffentlichten Texten, in denen der poetische Realist seine Gedanken teilte und kurzweilige Geschichten erzählte. Im Anschluss zeigte der großartige Bruno Ganz mit Robert Walsers „Liebesgeschichten“ literarische Wortkunst auf höchstem Niveau und zeigte die zeitlosen Freuden und Probleme der Liebe und Begierde, sei es zwischen einem Kinokleinod und ihrem Manager oder dem faulen Schrifsteller und seiner Haushälterin. Durch seine souveräne und einfühlsame Weise machte Walser deutlich, dass die Tugend immer etwas Erbärmliches an sich habe, das Laster allerdings etwas Entzückendes sei. Diese besonderen Spielarten menschlicher Beziehungen wurden durch Bruno Ganz mit Leben erfüllt und sorgten im Publikum für eine vergnügliche Atmosphäre.  

 

Foto: Klaus Seufer-Wasserthal, Bruno Ganz, Christa Gürtler, Jochen Jung (c) Erika Mayer

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